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MUHAMMAD AL-BAQI B. ABD AS-SALAM
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Die Welt um uns, die wir durch unsere Sinne erfahren und durch unser Denken erschließen können, und daher auch als „Wirklichkeit“ annehmen, ist für die islamische Mystik nur ein Gleichnis, nur Zeichen, Hinweis und nicht das wirklich Wahre.
Wer das Gleichnishafte dieser Welt hinter sich lässt und sich mit der Wahrheit einlässt, ist ein Mystiker.
Mystik muss zuerst erlebt werden, dann können Erfahrungen mitgeteilt werden. Doch das Erlebte kann nur in einer eigenen Sprache mitgeteilt werden. So erfasst den eigentlichen Sinn mystischer Texte nur, wer selbst nicht mehr in der Welt der Gleichnisse gefangen ist.
Ein Begriff für „Mystik“ ist im islamischen Sprachgebrauch nicht
zu finden. Doch ist Mystik gemeint, wenn bei den Muslimen von Sufik, Sufitum oder Sufismus die Rede ist.
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(gest.
277 / 890)
Was
ist das Wesen der Hingabe? Die
Ergebenheit in die Entscheidung des All-Weisen.
Das
heißt: Wer
die Werke der Dienstbarkeit dem übergibt, und
unter den Entscheiden der Erhabenheit der Herrlichkeit Gottes in Glück
und Unglück verharrt, der gehört zu den Leuten der Hingabe.
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------ NURI
(gest.
295 / 907)
Im
Herzen des Erkenners gibt es drei Lichter, das
Licht der Erkenntnis, das
Licht des Verstandes, das
Licht des Wissens. Die
Erkenntis gleicht der Sonne, der
Verstand dem Mond, das
Wissen den Sternen. Das
Licht der Erkenntnis verhüllt die Leidenschaft, das
Licht des Verstandes verhüllt die Lust, das
Licht des Wissens verhüllt die Unwissenheit.
Mit
dem Licht der Erkenntnis sieht er den Herrn, mit
dem Licht der Erkenntnis nimmt er die Wahrheit auf, mit dem Licht des Wissens handelt er nach der Wahrheit.
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GUNAYD
(gest.
298 / 911) Sie sagten: Wir möchten nach der Lehre
der Sufis fragen. Gunayd antwortete: Sufik ist himmlisches Wissen, nicht ein irdisches, um das sich der Verstand bemühen könnte, um es zu erfassen. Vielmehr ist es die Frucht einer Lauterkeit der Herzen. Sind diese geläutert, so steigen sie auf. Steigen sie auf, so werden sie sicher. Sind sie sicher, so werden sie reich an Erfahrungen. Auf Grund der Erfahrungen wiederum sehen sie tiefere Zusammenhänge.
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------ (gest.
ca. 298 / 910)
Gott
war und nichts mit ihm. Da
regte sich in Gott das Denken, sodass
das Wissen in Erscheinung trat und
sich der Wille zeigte. Das
erste, was Gott erkannte, war Seine Erkenntnis. Das erste, was Gott wollte, war Er.
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(gest.
378 / 988) Der
Zustand der Nähe ist einem Menschen eigen, der mit seinem Herzen die Nähe
Gottes zu ihm schaut und
sich deshalb Gott naht, indem er ihm gehorcht und
seine geistige Kraft vor Gott durch ständiges Gottgedenken, offen und
geheim, konzentriert.
Nuri fragte einen Mann, der ihn aufgesucht
hatte: „Woher kommst du?“ Jener
antwortete: “Aus Bagdad.“ Nuri
fragte weiter: „Wem hast du dich dort angeschlossen?“ Der
Mann antwortete: „Dem Abu Hamza.“ Darauf
sagte Nuri: „Wenn du nach Bagdad zurückkommst, dann sage dem Abu
Hamza: Die
Nähe der Nähe ist in dem, worauf wir hinweisen, die Ferne der Ferne.“ So
hat Abu Ya´qub as-Susi gesagt: „Solange
der Mensch in der Nähe ist, gibt es keine Nähe, bis er sich der nähe durch
die Nähe entzieht. Wenn
er aber dem Schauen auf die Nähe durch die Nähe entronnen ist, so
ist das Nähe.“ Gemeint
ist: dem Schauen auf seine Nähe zu Gott durch Gottes Nähe zu ihm. - Der
Zustand der Nähe zieht den Zustand der Liebe und den Zustand der Furcht
nach sich....
Die
Steigerungen der Gewissheit kommen an kein Ende. Sooft
man in der Religion Einsichten und Erkenntnisse gewinnt, wächst
man auch in Gewissheit über Gewissheit. Die
Gewissheit ist die Wurzel aller Zustände Und
bei ihr enden auch alle Zustände.
Höchster Grad der Gewissheit ist Fröhlichkeit ....
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(gest.
380 (oder 384) / 990 (994))
Der
Wollende (murid) ist in Wirklichkeit ein Gewollter (murad) Und
der Gewollte ein Wollender, denn
wer Gott will, will nur durch ein von Gott ausgehendes, ihm zuvorkommendes
Wollen.
Der
Gewollte ist der, den Gott mit dem Ziehen der All-Macht zieht und dem
er die mystischen Zustände enthüllt, wodurch
dann die Kraft des Schauens in ihm eine Anstrengung um Gottes willen, eine Hinwendung zu ihm und ein Ertragen der von ihm auferlegten Bürden erweckt.
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(gest.
412 / 1021)
Sammlung
von Aussprüchen berühmter Sufis:
AL-MISRI: Sufi
ist der, dessen Rede, wenn er redet, die mystischen Wirklichkeiten offen
legt Und
dessen Glieder, wenn er schweigt, von ihm sagen, dass er die Anhänglichkeiten
abgetrennt hat.
Die
Vertrautheit mit Gott kommt von der Lauterkeit des Herzens mit Gott. Mit
Gott allein sein ist Abgetrennt-Sein von allem anderen als Gott.
Wenn
die Gewissheit im Herzen gesund ist, ist
die Frucht darin gesund.
Wer
sich mit seinem Tun schmückt, dessen
gute Taten sind schlechte Taten.
Der
Erkenner wird jeden Tag demütiger, weil
er jede Stunde Gott näher kommt.
AD-DARANI: Ehrt
die Seele die Zufriedenheit mit dem Lauf des Schicksals! Welch
vorzügliches mittel zu den Rängen der Erkenntnis!
AR-RAZI: Ausdauer
in der Zurückgezogenheit ist ein Zeichen von Aufrichtigkeit.
AN-NURI Wer
die Dinge durch Gott begreift, kommt
in allen dingen auf Gott zurück.
Der
Gedankeneinfall von Gott ist der, dem nichts widersteht. Wenn
der Mensch den Standplatz der Erkenntnis erreicht, gibt ihm Gott seinen
Gedankeneinfall ein Und
hütet sein Innerstes davor, dass ihm ein anderer Gedankeneinfall kommt
als der von Gott. Wer
Gott mit dem Licht des Glaubens sucht, gleicht
jemandem, der
die sonne mit dem Licht der Sterne sucht.
AS-SIBLI Das
Sufitum ist die Zügelung deiner Sinne und das Wachen über deine Atemzüge.
Verzicht
ist Hinwendung des Herzens von den Dingen zum Herrn der Dinge. Die
Schöpfung kommt mir nicht in den Sinn. Wie
sollte auch die Schöpfung jemandem in den sinn kommen, der den Schöpfer
erkannt hat?
AN-NAHRAGURI Die
Wüsten des Diesseits werden mit den Füßen durchmessen, die
Wüsten des Jenseits mit dem Herzen.
Das
diesseits ist ein Meer, das Jenseits ein Ufer, das Schiff ist die Gottesfürchtigkeit, und
die Menschen sind Reisende.
Am
besten von allen Menschen kennt derjenige Gott, der über Ihn am ratlosesten
ist.
AL-MAGRIBI Das
Herz der Leute der Wahrheit ist ein gegenwärtiges Herz, ihre Ohren sind
offene Ohren.
ANNASRABADI Jedes
Geheimnis, das von der Torheit des Mensch-Sein frei ist, ist ein göttliches
Geheimnis.
Das
Blut der verwandten gerät bei der Begegnung in Bewegung, das
Blut der Liebenden aber siedet und kocht.
Die Lasten Gottes können nur die Tragtiere Gottes tragen.
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(gest. 440
/ 1049) Ein Derwisch fragte unseren Scheich: „Scheich, was ist die Wurzel des Wollens?“ Unser Scheich antwortete: „Dass jemandes Wollen ein Werden wird. Es besteht ein Unterschied zwischen Wollen und Werden. Im Wollen stellt sich ein Schwanken ein: bald handelt er, bald nicht. Im Werden kann kein Haar dazwischen kommen. Das Wollen ist partiell, das Werden universell. ...
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465 / 1072)
Der Novize soll keine weitgespannte
Hoffnung hegen. Der Arme ist nämlich der Sohn eines Nu. Wenn er also über
die Zukunft Pläne macht und nach anderem Ausschau hält als dem Nu, in
dem er sich befindet, und seine Hoffnung auf das setzt, was ihm noch bevorsteht, dann kommt bei ihm nichts heraus.
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------ (gest.
465 (569) / 1072 (1077))
Beklommenheit (gabd) und Beglückung (bast) sind zwei Zustände, die dem menschlichen Bemühen entzogen sind, sodass weder ihr kommen durch eine Aneignung (kasb) zustande kommt, noch ihr Gehen durch eine Anstrengung. Gott spricht: Gott macht beklommen und beglückt (Sure 2,245). Beklommenheit besteht in der Beklommenheit des Herzens im Zustand der Verschleierung, Beglückung besteht in der Beglückung des Herzens im Zustand der Enthüllung. Beides kommt von Gott ohne menschliches Bemühen. Die Beklommenheit im Leben der Erkenner ist wie die Furcht im Leben der Novizen, die Beglückung im Leben der Erkenner ist wie die Hoffnung im Leben der Novizen, gemäß der Lehre der Sufis, die die Ausdrücke: „Beklommenheit und Beglückung“ in diesem sinn gebrauchen.
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(gest
481 / 1089)
Einst
habe ich einem, der mich nach dem Einheitsbekenntnis der Sufis fragte,
mit den folgenden Versen geantwortet:
Kein
einziger bekennt die Einheit des Einen, denn
jeder, der seine Einheit bekennt, ist ein Lügner.
Das
Einheitsbekenntnis dessen, der seine Beschreibung ausspricht, ist
inhaltsleer, entkräftet durch den Einen.
Gottes
Bekenntnis seiner selbst als den einen ist das wahre Bekenntnis seiner
Einheit. Die Beschreibung für den aber, der beschreibt, ist Ketzer.
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(gest.
520 / 1126)
Sich
durch sein Selbst zu gehören, ist eines, sich durch seinen Geliebten zu
gehören ein anderes. Sich
durch sein Selbst zu gehören ist die Unreife des Anfangs der Liebe. Wenn
man aber auf dem Weg der Reife nicht mehr sich gehört und seinem Selbst
entrinnt, dann kommt man zu Ihm, dann mit Ihm von Ihm her zu sich.
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(gest.
520 / 1126)
Nicht
jeder, der den Weg gesehen hat, ist auf dem Weg gegangen, und
nicht jeder, der gegangen ist, hat das Ziel erreicht. Gar
mancher hat gehört, aber nicht gesehen, gar
mancher hat gesehen, aber nicht erkannt, gar mancher hat erkannt, aber nicht gefunden.
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(hingerichtet
525 7 1131)
Treuer, zahlreich sind für den Sucher
auf dem Wege Gottes die Erfordernisse. Alle Mystiker haben es kurz gesagt.
Einer aber ausführlich: Sämtliche Konfessionen der bekannten Gruppierungen
sind am Anfang auf dem Weg des Wegschreiters in seinen Augen eine einzige
und erscheinen als eine einzige. Stellt er einen unterschied fest oder
macht er einen Unterschied, so ist er Trenner und Unterscheider, nicht
Sucher. Dieses Unterscheiden ist für den Sucher noch eine Absperrung des
Weges. Kommt er an das Ende des Suchens, so
hat er keine Konfession mehr außer der Konfession des Gesuchten. Man
fragte Husayn-i Mansur: „Was für eine Konfession hast du?“ Er
antwortete: „Ich habe die Konfession des Herrn.“ Für
die Großen des mystischen Weges war ihr Meister Gott. Sie haben also die Konfession Gottes.
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(gest
561 / 1166)
Wisse, dass eines jeden Menschen Plage
danach bemessen ist, wie er sich dem von der Vorherbestimmung Vorherbestimmten widersetzt und wie
er seiner Lust zustimmt und die Zufriedenheit mit dem Ratschluss Gottes
aufgibt. Wer mit dem göttlichen Ratschluss zufrieden ist, findet Ruhe. Alles in allem ist der Zufriedene der, der sich der göttlichen Vorherbestimmung nicht widersetzt. Die Scheiche haben erklärt. „Die Zufriedenheit mit seinem Ratschluss ist das große Tor und das Paradies des Diesseits.“ Das heißt: Wer mit der Zufriedenheit ausgezeichnet wurde, der hat die vollkommenste Weite erreicht und wurde mit der höchsten Gottesnähe beehrt.
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(gest.
606 / 1209)
Einmal schaute ich Gott in den Eigenschaften
der Erhabenheit und der Freundlichkeit, während die Engel mit Ihm waren.
Ich fragte: „Mein Gott, wie wirst Du meinen Geist ergreifen?“
Er antwortete: „Ich werde aus der Tiefe der Urewigkeit zu dir kommen
und mit meiner Hand deinen Geist ergreifen. Ich werde dich zum Standplatz
des Mit-Seins führen, dir vom Wein des Nahe-Seins zu trinken geben und
dir meine Freundlichkeit und Erhabenheit auf ewig zeigen, so wie du es
willst, ohne Vorhang der Trennung.“ Ein anders Mal sah ich Gott in allerschönster Gestalt. Ich verliebte mich in Seine Schönheit und Seine Eigenschaften und war in Sorge um die Nähe zu Ihm und die Verbindung mit Ihm. Ganz in der Nähe hielt ich mich auf und flehte demütig. Dann zeigte Er sich mir, während Er etwas in der Hand hielt. Ich fragte: „Mein Gott, was ist das?“ Er antwortete: „Dein Herz!“ Ich fragte: „Mein Herz hat einen Rang, der in Deiner Hand ist?“ Nun durchforschte Er mein Herz. Er faltete es auseinander, da überdeckte mein Herz alles vom Gottesthron bis zur Erde. Ich fragte: „Das ist mein Herz?“ Er antwortete: „Das ist dein Herz! Es ist das weiteste aller Dinge.“ Während er mein Herz hielt, ging er in die Region der Wesenswelt. Ich ging mit Ihm, bis ich zur Halle des Übersinnlichen vom Übersinnlichen kam. Ich fragte: „Wohin gehst Du?“ Er antwortete: „In die Welt der Anfangslosigkeit, um auf sie zu schauen. Ich erschaffe in ihr Schöpfungswunder und enthülle mich ihr bis in die endlose Ewigkeit in der Eigenschaft der Göttlichkeit.“ Ich fragte: „ In welcher Eigenschaft warst Du in der Urewigkeit?“ Er sprach: „Dorthin gibt es für dich keinen Zugang.“ Ich flehte und sprach: “Gerade das erbitte ich.“ Da erschien der aller Glanz der Majestät und ich verschwand vollkommen. An mein Innerstes erging das Wort: „Kennst du den Sinn des Prophetenwortes: “Die Herzen sind zwischen zwei Fingern des Erhabenen; Er dreht und wendet sie, wie Er will“? Du hast es zwischen Seinen Fingern gesehen hast.“
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617 / 1220?)
Aus seiner Sammlung von Berichten über
Leben und Lehren bekannter Heiliger: Eine Menge Leute begab sich einmal
auf die Reise. Sie sagten zu Abu l-Hasan-i Haraqani: „Scheich, die
Reise ist gefährlich. Lehre uns ein Gebet, durch das ein heraufziehendes
Unheil abgewendet werden kann!“ Der Scheich sprach: „Wenn
euch ein Unheil begegnet, so ruft Abu l-Hasan an!“ Den Leuten missfiel
diese Rede. Als sie dann unterwegs waren, tauchten Räuber auf und fielen
über sie her. Einer von ihnen rief sogleich den Scheich an und entschwand
ihren blicken. Die Räuber schrieen: „Hier war doch ein Mann! Wo
ist er hin? Wir sehen weder ihn noch sein Gepäck, noch sein Tier!“
So kam es, dass er und seine Waren keinerlei schaden erlitten, während
die anderen nackt und ausgeplündert zurück blieben. Als sie den Mann heil sahen, waren
sie sprachlos vor Staunen, bis er erzählte, wie es dazu kam. Als sie wieder zum Scheich zurückkamen, fragten sie ihn: „Um Gottes willen, was ist das für ein Geheimnis? Wir alle haben zu Gott gerufen, hatten aber keinen Erfolg. Dieser eine hat zu dir gerufen, und er entschwand ihren Blicken.“ Der Scheich antwortete: „Wenn ihr zu Gott ruft, ruft ihr zu Ihm gleichnishaft., Abu l-Hasan aber tut es wirklich. Ruft Abu l-Hasan an, dann ruft Abu l-Hasan für euch Gott an, und so kommt ihr zum Ziel, Denn wenn ihr Gott nur gleichnishaft und gewohnheitsmäßig anruft, nützt es nichts.“
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(gest.
632 / 1234)
Durch die Gottesfürchtigkeit findet
man zum reinen Gedanken, durch sie wird dessen Tor geöffnet. Der Gottesdiener
verharrt in der Gottesfürchtigkeit, um schließlich seine Glieder gegen
verwerfliches tun zu schützen, dann sie gegen Überflüssiges und dinge,
die ihm nichts angehen, zu schützen, sodass er nur noch das sagt und tut,
was sich nicht vermeiden lässt. Dann geht seine Gottesfürchtigkeit
auf sein Inneres über und reinigt sein Inneres und hält es vom Verwerflichen
zurück. ... Indes er so auf der Hut ist, erglüht das Herz vom Gottesgedenken wie die Sterne am Zenit des Himmels, und das herz wird zu einem Himmel, der von den schönen Sternen des Gottesgedenkens behütet wird.
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------ ( gest.632 / 1235) Es
freut sich nicht des Lebens in dieser Welt, wer nüchtern lebt, Und
wer nicht stirbt am Rausch von ihm, entgangen ist die Klugheit ihm. Sich
selbst beweine jeder, der sein Leben hat verschwendet, Und nichts von diesem Weine war sein Anteil und sein Los.
------------------------------------------------------------------------------------------------------------------ (gest.
654 / 1256)
Bei
Gott! Kein Mensch kann ohne Gott Gottes teilhaftig werden! Überall
jedoch, wo dieser Same vorhanden ist, braucht man für seine Pflege die
Stellvertretung und Statthalterschaft Gottes durch den Propheten oder Scheich, der ihn vertritt.
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(gest.
Ende 7. / 13. Jhd.)
Wisse, die Leute der Einheit lehren:
Das Sein ist eines, nicht mehr, und dieses Sein ist Gott. Gott ist ein
einziges Sein, wirklich und notwendig, urewig und ohne Ende. In Seinem
Sein gibt es keine Vielheit und keine Teile. Derwisch! Wenn ein Wegschreiter eines
Tages den Standpunkt erreicht, auf dem er einsieht, dass er weder Wesen
noch Eigenschaften, noch Sein, noch Leben hat und dass ihm weder Besitz
noch Rang, noch Herrschaft eigen ist, und wenn er erkennt, dass Wesen
und Eigenschaften und Sein und Leben Gott eigen und Besitz und Rang und
Herrschaft Ihm gehören – an jenem Tag wird an ihn diese Rede ergehen:
Wer hat heute die Herrschaft? Und da es außer Gott niemanden gibt, der
antworten könnte, wird er selbst die antwort geben: Der eine, allgewaltige
Gott (Sure 40,16). Das ist das wesentliche und die Quintessenz der
Worte, die die Leute der Einheit zur Erklärung der Einheit des Seins gesprochen
haben. Am Ende ist es so: Die Schönheit des Geliebten findet das Herz des Liebenden von allem anderen als ihr leer. Sie nimmt das ganze Herz des Liebenden in Beschlag, sodass nichts anderes mehr Zugang hat. Dann sieht der Liebende sich selbst nicht mehr. Alles sieht er als den Geliebten an. Wenn der Liebende isst und wenn er schläft und wenn er geht und wenn er kommt, meint er, der Geliebte sei es, der isst und schläft und geht und kommt.
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(gest.
709 / 1309)
Das Gottgedenken ist das Freiwerden
von Gleichgültigkeit und Vergessen durch ständiges Gegenwärtigsein des
Herzens bei Gott. Man sagt auch: Es ist das dauernde Wiederholen des Namen
dessen, dessen man gedenkt, mit Herz und Zunge. Das Gottgedenken ist ein Feuer, das
nichts übrig lässt und nichts verschont (Sure 74,28) Wenn es ein Haus betritt, spricht es:
„Ich, nichts anderes!“ Dies ist unter anderem gemeint mit:
Es gibt keinen Gott außer Gott.“ Findet es darin Brennholz, so verbrennt
es dieses und es wird Feuer. Wenn darin Finsternis ist, so wird
es Licht und erleuchtet das Haus. Wenn darin Licht ist, so wird es Licht
über Licht (Sure 24,35). Das Vollkommene ist das Entwerden vom
Ich und vom Entwerden. Dem Entwerden zu entwerden ist das
Hochziel des Entwerdens. Das Entwerden aber ist der Anfang des mystischen Weges. Es ist das Hingehen zu Gott.
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(gest. 735
/ 1334-5)
Wisse: Es zählt zu den wichtigsten Regeln für den Novizen, dass er die Umgangsformen der Gefolgschaft gegenüber dem Scheich beachtet, denn die Wahrung der Ungangsformen führt die Liebe des Herrn herbei. Die Schönheit des Geistes und die Vollkommenheit des Verstandes können nämlich nur in der gestalt schöner Umgangsformen gesehen werden. Wenn immer also der Novize im Umgang mit dem Scheich die Höflichkeit wahrt, gewinnt er durch die Liebe einen Platz im Herzen des Scheichs, und das Auge des göttlichen Erbarmens ruht auf ihm. Gott schaut ja immer mit den Augen des Erbarmens, der Vorsehung und der Fürsorge auf das Herz seiner Freunde. Indem also der Novize im Herzen des Scheichs einen festen Platz findet, umfasst die Segnung unablässiger Wirkungen des göttlichen Erbarmens und ununterbrochener Herabkünfte nie endender Gnade sein Sein.
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(gest.
736 / 1335-6) Wisse, ehrlicher Novize, dass man keinen
von den Standplätzen verleugnen soll, denn eine der Gaben, die Gott in
dieser Welt Seinen Geliebten verleiht, ist, dass Er ihnen das Wort. „Sei!“
schenkte – und dies ist die erste Gabe an die Paradiesbewohner des
Jenseits. Aber die Geliebten Gottes üben an diesem Wort: „Sei!“ Verzicht und machen davon keinen Gebrauch. Wenn Gott das Wort: „ Sei!“ Seinen Geliebten schenkt, bitten sie Gott darum, dass sie dieses Wort: „Sei!“ im Diesseits nicht aussprechen mögen und mit diesem Wort nicht die zustände des Jenseits zu enthüllen suchen, bis der tag gekommen ist, an dem sie Gott begegnen.
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(gest.
736 / 1336)
Je mehr ein Novize redet, um seine
Vollkommenheit zu beweisen, oder tut, damit seine Vollkommenheit zutage
trete, desto bekümmerter wird der Scheich. Denn der Scheich verlegt sein
ganzes Bemühen darauf, das die eigene Vollkommenheit sehende Auge seiner
Seele zu schließen und das Auge, das die Vollkommenheit Gottes sieht,
zu öffnen. Die Derwische müssen ständig ihrer Seele auflauern, damit sie jedes Auge, das sie für die eigene Vollkommenheit auftut, sofort wieder schließe. Wenn sie das nicht tun, werden sie erfahren, dass die Seele aus jeder haarspitze ein Auge zum betrachten der eigenen Vollkommenheit öffnet und für den Anblick der Vollkommenheit Gottes blind macht. Denn das ist die Eigenart der Seele.
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(gest.
728 / 1328)
Begebenheiten
aus dem Leben des 426 / 1035 verstorbenen Scheichs Abu Ishaq al-Kazaruni:
Eines Tages trat ein Derwisch vor den
Scheich und sprach: „Scheich, ich brauche dringend fünfzig Dirham
und bin zu dir gekommen, damit du mir hilfst!“ Der Scheich antwortete:
„Nimm Platz!“ Der Mann setzte sich. Da kam auch schon jemand zur Tür herein,
grüßte, legte ein zusammengebundenes Stück Tuch vor den Scheich und sprach:
„Scheich, einige Dirham habe ich dir gebracht, damit du sie für
die Derwische verwendest.“ Der Scheich knüpfte das Tuch auf, rief
den Derwisch und gab es ihm. Der Derwisch schaute hinein und zählte fünfzig
Dirham. Der Scheich sagte: „Nimm, denn
dieses Geld hat man für dich gebracht!“ Dann sprach er: „ Preis sei Gott, dessen Eigenschaft es ist, von einem Ort einen Bittsteller zu schicken und von einem anderen Ort einen Spender, während ich dazwischen Vermittler bin!“
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(gest. 792 / 1390)
Dem Wachstum der Glaubensgewissheit ist keine Grenze gesetzt: Je mehr man in religiösen Dingen sich bemüht zu verstehen und zu begreifen, desto mehr wächst man in der Glaubensgewissheit über Glaubensgewissheit. Gott schenke uns davon ein reiches Maß in seiner Huld und Güte.
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(gest. 808 / 1406)
Es gibt drei verschiedene Arten des geistigen Kampfes, von denen eine der anderen vorausgeht. Der erste geistliche Kampf ist der geistliche Kampf der Gottesfürchtigkeit. ... Der zweite geistliche Kampf ist der geistliche Kampf der Ausgerichtetheit. ... Der dritte geistliche Kampf ist der geistliche Kampf der Enthüllung und der Einsichtnahme. ....
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(gest. um 832 / 1428)
Wisse - Gott gebe uns und dir das Gelingen und führe dich zu dir und leite dich recht! - Das Streben (himma) ist das Kostbarste, das Gott in den Menschen gelegt hat.
Für Ausgerichtetheit gibt es zwei Merkmale. Das erste Merkmal ist die absolute Gewissheit darüber, dass genau das Gesuchte erreicht wird. Das zweite Merkmal besteht darin, dass alles Tun und Lassen des Strebenden dienlich ist für die Sache, auf die er es mit seinem Streben abgesehen hat. Ist dem nicht so, dann wird er nicht Besitzer eines Strebens genannt.
Wenn du verstanden hast und erkannt hast, so wisse ferner: Wenn auch die Stellung des Strebens hoch ist und sein Rang gewaltig, so ist es doch ein Vorhang der Trennung für den, der bei ihm Halt macht. Er kann erst emporsteigen, nachdem er es (das Streben) abgelegt hat. Herr ist, wer es übersteigt, bevor er seine Geheimnisse kennt und den Geschmack seiner Früchte. ... Das heißt: Es gibt keinen Weg außer zu Ihm und es gibt keinen Pfad außer auf Ihm, aber es gibt auch kein Verweilen mit Ihm und bei Ihm, sondern man muss es hinter sich bringen, nachdem man durch es hindurchgegangen ist. Die Wirklichkeit liegt jenseits von Ihm, der Weg aber liegt auf Seinem Hof.
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(gest. 898 / 1492)
Du bist nichts, wenn du ein Zweites zu dem Zeitlosen bist. Du bist alles, wenn du nichts wirst.
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(gest. um 912 / 1506-7)
Da der Mensch Erscheinungsort des Wesens und Spiegel aller göttlichen Namen und Eigenschaften ist, kamen auch der Verstand und das Unterscheidungsvermögen, die notwendig zur vollkommenen Erkenntnis gehören, bei seinem Hervortreten zum Vorschein. Darum sagte er:
Im Menschen zeigten sich Verstand und Unterscheidungsvermögen, Damit er dadurch die Wurzel aller Dinge erkenne.
Nachdem der Wegschreiter seinem gewähnten Sein entworden ist, wird er in Gott bestehend, denn "wen Ich getötet habe, dessen Wergeld schulde ich und wessen Wergeld Ich schulde, dessen Wergeld bin Ich". In diesem Bestehen treten die wirklichen Vollkommenheiten der menschlichen Wirklichkeiten vollständig in Erscheinung, und er wird zum Erscheinungsort sämtlicher göttlicher Namen und Eigenschaften.
Wirf, o Verstand, das Boot in den Ozean! Für Nichtiges bleibt kein Platz, "der Wahre ist da." Die Zeit des "Ich bin Gott!" ist schon gekommen. Leg den Staub des Redens und Hörens aus der Hand! Wer einen Beweis für Gott vorbringt, Sucht mit einer Lampe die Sonne.
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MUHAMMAD AL-BAQI b. `ABD AS-SALAM (gest. 1012 (oder 1014) / 1603 ( oder 1605))
Das Einheitsbekenntnismuss man sich aneignen. Das Einheitsbekenntnis der Theologen aber, die die Wirklichkeit erfassen: Nichts Wirkendes ist vorhanden außer Gott." Das bedeutet, dass man jegliche Fähigkeit Gott übergibt und sich ihrer entleert.
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(gest. 1034 / 1624)
Die Besitzer der göttlichen Wesensenthüllung, die dem Standplatz des herzen ganz und gar entronnen und zu dem gelangt sind, der das Herz verändert, und aus der Sklaverei des Zustandes befreit und zu dem hingefunden haben, der ihn verwandelt, brauchen Musikhören und Ekstase nicht. Denn ihr Nu ist fortdauernd und ihr Zustand immerwährend, ja, sie haben gar keinen Nu und keinen Zustand. Sie sind Väter des Nus und Besitzer der Festigkeit. Sie sind die Angelangten, für die es überhaupt keine Rückkehr und schlechthin kein Vermissen gibt. Bei wem es aber kein Vermissen gibt, bei dem gibt es auch kein Finden in Ekstase.
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(hingerichtet 1069 / 1659)
Es gibt drei Arten von Licht. Wenn es erstens mit der Eigenschaft der Erhabenheit Gottes aufscheint, hat es entweder die Farbe der sonne oder die Farbe des Rubins oder die Farbe des Feuers. Wenn es zweitens mit der Eigenschaft der Freundlichkeit Gottes aufscheint, hat es entweder die Farbe des Mondes oder die Farbe des Silbers oder die Farbe von Perlen oder die Farbe des Wassers. Und drittens das Licht des Wesens Gottes, das über die Eigenschaften erhaben ist. Außer die Freunde Gottes, über die Gott gesagt hat Gott führt seinem Licht zu, wen er will (Sure 24,35), kann dieses keiner erreichen.
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(gest. 1215 / 1800-1)
Gott ist das Licht der Himmel und der Erde. Der Standpunkt des Gesandter-Seins, der Prophetie und der Heiligkeit ist die Nische, das Glas und die Lampe des Lichtes des Seins. Gott ist das Licht der Himmel und der Erde. Sein Licht ist einer Nische zu vergleichen, mit einer Lampe darin. Die Lampe befindet sich in einem Glas, das ist, wie wenn es ein funkelnder Stern wäre (Sure24,35). Die Pflicht gegenüber der Heiligkeit (des Imam) lässt sich in der Zeit seiner Verborgenheit nur dadurch erfüllen, dass du dich dem Verfügen des erprobten Gläubigen übergibst, ein für allemal aus deinem eigenen Wählen und Wollen herausgehst, dein Wollen, Wissen und Wählen, ja sogar dein eigenes Sein, im Wollen, Wählen, Wissen und Sein des erprobten Gläubigen verlierst und die Lebensart der Blankspieler der Liebe zur Herrscherin machst, gemäß dem, was Scheich Iraqi gesagt hat:
Wir gingen in das Spielhaus: alle sahen wir blankspielen. Als wir aber in das Kloster kamen: alles augendienerische Asketen.
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(gest. 1231-2 / 1815-7)
Den Sinn der Formel soll er folgendermaßen betrachten: LA: Es gibt nicht - ILAHA: irgendein Angestebtes - ILLA LLAH: außer dem reinen Wesen. Solange du nicht die Straße mit dem Besen des LA gefegt hast, Kommst du nicht zum Haus des ILLA LLAH.
Selbst Tür und Wand wurden ob der großen Sehnsucht zu Spiegeln: Wohin immer ich schaue, sehe ich Dein Antlitz.
Verliere dich in Ihm! Das ist Vollkommenheit, sonst nichts. Sei du überhaupt nicht! Das ist Verbundenheit, sonst überhaupt nichts.
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(gest. 1332 / 1914)
Dass durch den Gottesfreund Huldwunder geschehen, ist vom Verstand her möglich und von der Überlieferung her Tatsache.
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